Infos

Liebe
zur
Weisheit?

Philosophie

Philosophie, ursprünglich in der Bedeutung "Liebe zur Weisheit", sollte auch heute wieder diese Bedeutung bekommen? Was aber ist weise? Wer ist weise? Sind es wirklich die Philosophinnen und Philosophen, welche sich heute beruflich damit beschäftigen? Oder sind es all jene Menschen, welche ihr Leben so führen, dass sie als weise gelten?

Weisheit ist das dritte "W" , welches meine Homepage krönen soll, mit dem "W" in der Bedeutung von

Weisheit

Philosophie wird auch an den Universitäten gelehrt und erfreut sich einer sehr langen Tradition. Eigentlich sind viele heutige Einzelwissenschaften aus den verschiedenen Unterteilungen der Philosophie herausgewachsen, wie etwa die Psychologie, die Logik und die Naturwissenschaften.
Ist nun aber Weisheit dasselbe wie das Studium der Philosophie an einer hohen Schule? Wie hoch muss die Wissenschaft hinaufsteigen, um zur Philosophie zu gelangen? Oder muss sich die Philosophie erst einmal auf die vielen Einzelwissenschaften herunterlassen, um wieder in dieser veränderten Welt zur Geltung zu kommen? Dabei kommt auch diese altehrwürdige Disziplin nicht um die Frage herum, was denn Wahrheit sei.

Was ist Wahrheit?

Diese Frage stellten sich auch schon Sokrates und Platon, aber auch der römische Prokurator Pontius Pilatus soll diese Frage an Jesus Christus gestellt haben. Doch was haben die Menschen gewonnen, wenn sie feststellen können, was geschieht und was geschehen ist? Kommen sie in ihrem Leben weiter, wenn sie genau wissen, was gerade zu diesem Zeitpunkt überall auf der Erde sich ereignet? Muss ich auf dem Laufenden sein über alles, wenn ich zu meinem Lebensziel laufe? Gehört es denn zur Weisheit, wenn jemand alles weiss? Wohl kaum und es wird sich wohl auch niemand finden, der alles weiss. Und was würde er wohl damit meinen, mit dem kleinen Wörtchen "alles? Wird unter allem die ganze Welt verstanden, die Erde, alle Gestirne, das Weltall mit all seinen Sternen? Wollte man über all das alles wissen, so begibt man sich auf so schwindlige Höhen, dass man entweder grössenwahnsinnig wird oder sich dann dazu bescheidet, dass der Mensch eigentlich fast nichts weiss von allem. Es erscheint uns weise, wenn Menschen, die vieles wissen und erfahren haben, trotz allem bescheiden geblieben sind.

Ist nicht jener Mensch weise, der von sich sagt: "Ich weiss, dass ich nichts weiss!"

"Ja, ich weiss, das war Sokrates", wird wohl jemand anderes sagen. Doch auch Sokrates muss sich hiermit in eine Zwickmühle gebracht haben, wird wohl ein in der Logik Bewanderter sagen. Wenn er doch weiss, dass er nichts weiss, dann weiss er doch etwas? Aber nein, würde jemand anderer entgegnen: "Er weiss ja nur, dass er eben nichts weiss".
"Aber dann weiss er doch dies eine", sagt der andere und so weiter ohne Ende. Doch würde nun jemand anderer sagen, dass das ein spitzfindiges Herumdenken und Drehen der Wörter ist. Er könnte noch zu dieser Verwirrung beitragen, indem er etwas sagt: "Ich weiss, dass du weiss, aber nicht weise bist!" Hiermit kommt noch die sprachliche Ebene der Bedeutungen dazu. Auch soll dieser Ausspruch auch nicht verletzend sein, denn Weisheit hat wohl nicht allein mit der Hautfarbe etwas zu tun. Die Wörter "weiss" und "weis" tönen fast gleich, bedeuten aber Unterschiedliches. Ja selbst das Wort "weiss" kann in dem einem Zusammenhang eine Farbe bedeuten, in einem anderen Zusammenhang, wie etwa in jenem von Sokrates, aber ein Wissen.
Aber weiss denn ein oder eine Philosoph/in, ob dies alles wahr ist?

Doch ist es weise, überaus spitzfindig über Wörter und Bedeutungen nachzudenken und dabei auch noch mit all diesen schillernden Begriffen zu spielen? Ist dies nicht eher Sophistik. Sind Sophistik und Philosophie nicht dasselbe? Beide Wörter gehen doch von demselben Wort im Altgriechischen aus, von dem Wort "sophos"
Aber auch hier erscheint diese Düftelei über Wörter und Bedeutungen als belanglos, wenn es darum geht, der Frage nachzugehen, was denn im Leben wertvoll sei und wie das Leben zu führen ist. Deshalb komme ich zu dem Satz:

Wissen ohne Werte ist wertlos

Was nützt es, wenn du alles weisst, alles erreichst, was du dir vornimmst, gleichgültig auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln, aber dabei die Seele verlierst? Es hat jemand dabei wohl dann seine Seele verloren, wenn er eigentlich gar nicht mehr weiss, warum und wozu er dies alles macht und unternimmt. Wenn er nicht mehr erlebt, was denn dabei so wertvoll sein soll.
Weisheit? Ein einfaches Wort, doch so unverstanden, weil sie nicht nur zum Verstehen ist, sondern auch zu leben. Erst wenn die Menschheit sich wieder dazu besinnt, was denn eigentlich für sie wertvoll ist, was sie eigentlich ja nicht verlieren will, erst dann wird sie und werden die Menschen wieder weise?!
Ja, was nützt es, wenn wir alles erreichen, aber unsere Nachkommen mit samt den höheren Tier - und Pflanzenarten durch Umweltkatastrophen zugrundegehen. Was nützt es, wenn es soweit kommen sollte, dass unsere Nahrungsmittel und viele andere Lebensgrundlagen der Menschheit nicht mehr zu Verfügung stehen?
Hoffentlich sind die Menschen  so weise, dass sie niemals zu sich sagen müssen, dass ein Indianer mit seinem Ausspruch recht hatte, indem er sagte: "Wisst ihr denn nicht, dass man Geld nicht essen kann!"
Hierin zeigt sich deutlich, dass nicht nur das wertvoll ist, das zu Geld gemacht werden kann. Die Luft da draussen ist sehr wertvoll, auch wenn sie nichts kostet. Die Sonne scheint über gute und böse Menschen. Was nützt das Geld, wenn es sich auf keinen Gegenwert mehr beziehen kann?

Sind das nun auch philosophische Fragen?

Natürlich, wird ein Ethiker sagen. Philosophie als Liebe zur Weisheit sollte sich eigentlich vorwiegend mit solchen Fragen beschäftigen. Die Fragen und Antworten dazu, wie wir uns verhalten ("ethos" heisst im Altgriechischen in etwa Verhalten, siehe auch Ethologie als Verhaltenswissenschaft) sollen, sind also grundlegend, wenn wir Philosophinnen oder Philosophen sein wollen. Philosophie kommt also ohne Ethik nicht aus. Doch auch die Ethiker können ihr Kind mit dem Bade selber ausschütten. Das ist dann der Fall, wenn die Fragen nach dem Verhalten nicht mehr zu der Welt, in der wir leben, in Beziehung gesetzt werden. Wenn es nur noch darum geht, zu handeln. Wenn alles nur noch pragmatisch abgehandelt wird. Pragmatisch dann in dem Sinne, dass bei allem nur der Erfolg, die Wirkung das wirkliche sind. Wenn der Erfolg von Handlungen alles Verhalten und alle Unternehmungen von Menschen rechtfertigen soll, so ist dabei auch alles erlaubt, was zu diesem Ziel führt. Ist dies aber noch ethisch? Sind jene Menschen die weisesten, wenn sie sich bisher mit guten Ellbögen bei allen anderen Menschen haben durchsetzen können?
Natürlich nur, wenn sie es bisher auf legalem Weg gemacht haben. Alles andere wäre je eher ein Vergehen oder ein Verbrechen. Wer sich auf Kosten von anderen bereichert, kann aber noch toleriert werden, solange er sich an die Regeln in einer Gesellschaft, auf die Regeln des Zusammenlebens wie auch des Handels hält. Wer aber über Leichen geht, der muss zurückgehalten werden, bestraft werden, (auch wenn es  ein Tyrann eines Staates ist), darf auf keinen Fall als weise oder ehrenhafter Mensch betrachtet werden.

Weise handelt ein Mensch also dann, wenn er sich auch auf die Werte des menschlichen Zusammenlebens besinnt und sich daran hält. Falls aber die Regeln des Zusammenlebens solchen Werten zu widersprechen scheinen, so wird er versuchen, nicht die Menschen anzufeinden und zu bekämpfen, sondern die Regeln und Weisungen, welche die Menschen daran hindern, ihr Leben gut zu führen. Was hat nun aber dieses Wort 'gut' noch in der Philosophie zu suchen?
Das ist doch alles aus der alten Mottenkiste der alten griechischen und römischen Philosophie geholt. Das tönt alles nach schöner platonischer Ideenlehre, bei der die Ideen der Schönheit, des Guten und der Wahrheit schon immer in ihrem Himmel innewohnen. Da die Menschen aber heute selten noch einen Weg zu diesen Himmeln einschlagen wollen, obwohl sie schon auf dem Mond gelandet sind, so erscheinen ihnen diese hochtrabenden Worte als nichts anderes als hochstilisierte Begriffe des menschlichen Alltags.
So kann das Essen gut sein, oder eine Handelsgeschäft ist gut abgelaufen. Was dabei aber gut gewesen ist, das kann nur jener Mensch betiteln, der es selber erlebt hat. Was er als gut bewertet, wird also als völlig subjektiv angeschaut. Es gibt keinen Maßstab, der etwas als für immer gut hinstellen kann. So kann es einen Urmeter in Paris geben, aber kein Ur-Gutes, das alle Menschen bestaunen oder nachhahmen können. Somit scheinen also doch die Pragmatiker recht zu bekommen, dass nur die Menschen selber bewerten oder beurteilen können, was erfolgreich, gut, schön oder wahr sei.

"Alles ist relativ!"

sagen viele Menschen. Alles ist relativ zu den Menschen, die etwas als gut, schön oder wahr finden. Somit wird  oder ist der Mensch das Mass aller Dinge, wie es schon der Philosoph oder Sophist Protagoras verkündet haben soll.

Dass aber nicht alles relativ sein kann, wird dann diesen Menschen, denen alles (ein) Wurst ist, einleuchten, wenn sie erleben müssen, dass es z.B. Naturkatastrophen gibt, dass die Urheber von Seuchen, Krankheiten usw. nicht einfach bloss Werturteile von Menschen sind, sondern Viren, Bakterien, Tsunamis oder sogar Asteroide, die auf die Erde fallen können. Zwar ist alles auf die Wahrnehmung oder Bewertung von einzelnen Menschen bezogen, aber trotzdem stellt sich heraus, dass die Wahrnehmungen und Bewertungen nur Brillen oder Prisma-Gläser sind, durch die hindurch sich etwas zeigt, das nicht durch die Brillen und Gläser der menschlichen Beschränktheit erklärt werden kann.  Wenn also ein Tsunami um die Weihnachtszeit im Jahre 2004 gewütet hat, so mag zwar das Wort 'wüten' anzeigen, dass die Menschen es subjektiv so erlebt haben. Aber kein davon betroffener Mensch wird verneinen, dass er und alle seine Mitbewohner von einer Katastrophe heimgesucht worden sind. Dass aber Katastrophen viel Wertvolles zerstören oder verderben können, ist leider nicht nur eine subjektive Angelegenheit, sonder eine objektive und oft harte, unbarmherzige Angelegenheit.
Der Hunger ist eine objektive Tatsache.
Es liegt also an den Menschen, dass sie untereinander barmherzig und hilfsbereit sind bei Katastrophen, und dass sie nicht alles nur als subjektives nicht nachfühlbares Erleben abtun. Wenn es anderen Menschen schlecht ergeht, ist es ein Hohn, sich darüber zu streiten, ob dieses Schlechte nur subjektiv und relativ sei, anstatt Hilfe anzubieten, wenn es möglich ist. Aber so werden auch viele Menschen staunen, dass ihnen geholfen wird, wenn es ihnen schlecht ergeht, auch wenn sie selber anderen bisher nicht geholfen haben. Aber ebenso können sie erstaunt oder niedergeschlagen sein, wenn ihnen niemand helfen will, weil die anderen glauben, dass nur er meine, dass er unglücklich sei.

Philosophie hat also mit dem Sein, Meinen und Scheinen zu tun. So gilt der altehrwürdige Spruch:

Nicht alles, was glänzt, ist Gold

Aber ebenso gilt:

Mit Geld und Gold allein kann man nicht essen, aber wenn man davon auf dieser Welt noch Lebensmittel kaufen oder zum Ernten pflanzen kann, dann schon.

nach oben